Auf Nimmerwiedersehen ‘Kirche’,…


…ich werde dich ganz sicher nicht vermissen.

Heute war es endlich so weit. Ich war nicht ganz so faul wie sonst und habe mich deshalb zum örtlichen Standesamt begeben. Dort habe ich meinen Kirchenaustritt beantragt und es dadurch nach vielen Jahren endlich geschafft aus der katholischen Kirche auszutreten. Ich bin jetzt offiziell ‘Atheist’, könnte man sagen. Ein befreiendes Gefühl und zugleich ist man noch in guter Gesellschaft. Nach 23 Jahren “Knechtschaft” endlich frei (bewusst übertrieben formuliert, ich wollte das Lied unterbringen). Der Spaß hat mich 30 Euro gekostet, da ich in einem der Bundesländer lebe die dafür Geld verlangen (während in anderen Bundesländern sogar die Schulbusse kostenlos sind weil sie das Geld aus dem Länderfinanzausgleich beziehen und “mein” Land zahlt nur fleißig ein – zu Lasten der Bürger, aber für dieses Thema sollte ich wohl irgendwann einen extra Blogeintrag schreiben).

Warum gerade bzw. erst jetzt? Ich habe vor ein paar Wochen einen Artikel gelesen, in dem es darum ging, ob die Kirche nun auch Seelsorge über Facebook anbieten solle. In den Kommentaren fand ich dann einen Hinweis, dass noch bis zum 11.11.2011 Kirchenaustrittsjahr ist. Außerdem war noch ein Link zur entsprechenden Seite angegeben. Dort habe ich mich etwas informiert und bin zum Entschluss gekommen, dieses Jahr definitiv auszutreten. Eigentlich war geplant, erst auszutreten, sobald ich Kirchensteuer zahlen müsste. Ich habe allerdings erfahren, dass es sinnvoll ist bereits im Jahr vor Arbeitsbeginn auszutreten.

Warum bin ich überhaupt ausgetreten? Das hat verschiedene Gründe.

Ich hatte es schon jahrelang vor. Doch zu Beginn war es ein rein egoistischer Trieb. Ich dachte mir, warum sollte ich der Kirche etwas von meinem hart verdienten Geld abgeben? Ich brauche es doch am meisten selbst. Doch im Laufe der Jahre hat sich das etwas verändert und es sind noch viele weitere Gründe hinzugekommen. Diese Gründe versuche ich nun kurz zu erläutern:

Kirchensteuer: Nur 10 % der Kirchensteuer kommen sozialen Zwecken zu Gute. Zu 2/3 wird das Personal davon bezahlt. Wobei Bischöfe und Kardinale zusätzlich noch vom Staat (also von uns allen) finanziert werden. Brauchen die 8 deutschen Kardinale wirklich 960.000 € im Jahr?

Was wird alles fast vollständig vom Staat und NICHT wie vielleicht viele denken von der Kirchensteuer finanziert?

  • konfessionelle Kindergärten
  • kirchliche Privatschulen
  • Religionsunterricht an Berufsschulen, Realschulen und Gymnasien
  • Militärseelsorge / Sonderseelsorge
  • und noch ein paar andere Dinge

Identifizierung: Ich identifiziere mich schon seit vielen Jahren nicht mehr mit der katholischen Kirche und auch nicht mit dem christlichen Glauben an sich. Ich ging nie gern in die Kirche. Meistens konnte ich mich erfolgreich davor drücken. Mich hat nie jemand gefragt ob ich überhaupt einer Religion angehören möchte. Zu diesem Thema später mehr.

Missbrauchsfälle: Ich denke dazu kann ich mir jeglichen Kommentar sparen. Jeder wird wissen, was vorgefallen ist. Ich will auch gar nicht wissen was da sonst noch so abgeht. Vielleicht sollte die Kirche endlich mal ihre Haltung zu gewissen Dingen (z.B. das Zölibat abschaffen) ändern.

Keine Gleichberechtigung und keine Demokratie: In der katholischen Kirche dürfen Frauen kein Priesteramt anstreben. Die Kirche ist undemokratisch und hat eine strenge Hierarchie. Ein Mitspracherecht einzelner Gläubiger ist nicht wirklich vorhanden. Nur der Papst und die Bischöfe bestimmen was gut für die “Schäfchen” ist.

Religionskriege: In der Frühzeit und im Mittelalter wurde hauptsächlich mit Waffengewalt missioniert. Wenig später war dies auch nicht viel anders – wenn man beispielsweise an den Dreißigjährigen Krieg denkt. Ich könnte noch viele weitere Begebenheiten nennen, aber das reicht als Erklärung. Ich möchte jedenfalls keiner religiösen Gemeinschaft angehören, die Kriege führt um andere von ihrem Glauben zu überzeugen und dies tut oder tat leider jede Religion.

Diskriminierung von Anders- und Nichtgläubigen: Erst kürzlich musste ich lesen, dass eine konfessionelle Schule in Nordrhein-Westfallen mehrere Grundschulanwärter aufgrund der falschen Religionszugehörigkeit abgewiesen hat. Dabei ist im Schulgesetz des Landes verankert, dass Schüler ein Anrecht darauf haben die nächstgelegene Grundschule besuchen zu dürfen. Dies soll nur als aktuelles Beispiel dienen. Weiterhin sollte erwähnt werden, dass das Antidiskriminierungsgesetz für Kirchen nicht gilt. Als Arbeitgeber diskriminieren sie nicht nur Andersgläubige, da Mitarbeiter von Kirchen und deren Sozialeinrichtungen Mitglied der christlichen Kirche sein müssen, sondern auch ihre eigenen Anhänger. Meine Schwägerin darf z.B. nicht in einem konfessionellen Kindergarten arbeiten und das nur weil sie verheiratet ist – allerdings nicht kirchlich und das ist der Punkt.

Um nochmal zum Thema “Identifizierung” zurückzukommen. Was das getauft werden angeht, finde ich es unangebracht, dass man schon als Säugling getauft werden darf. Jeder sollte selbst entscheiden dürfen ob und welchen Glauben er einmal annimmt. Getauft sein verkompliziert alles nur. Man muss sein gesamtes Leben die Austrittserklärung zur Hand haben um nachweisen zu können, dass man auch wirklich ausgetreten ist. Als von Geburt an Religionsloser hat man dieses Problem nicht. Wenn es schon die Religionsmündigkeit gibt, dann sollte man auch erst ab dann “eintreten” dürfen. Die Taufe als Kirchensteuerbezugsgrundlage heranzuziehen ist genaugenommen sogar rechtswidrig. Aber warum funktioniert es trotzdem?

“Die Taufe, eine religiöse Zeremonie, bildet für den Einzug der Kirchensteuer die Rechtsgrundlage.

Ein kirchlicher Ritus begründet so Rechtswirkungen für den bürgerlichen Bereich. Auch dies widerspricht den Freiheitsrechten des Artikel 4 GG.”

Übrigens, nach dem kirchlichen Verständnis bin ich immer noch Kirchenmitglied. Die Taufe lässt sich nämlich nicht rückgängig machen.

Neben der Taufe gibt es noch eine andere Sache, die ich nicht gut finde. Meiner bescheidenen Meinung nach haben kirchliche Symbole in öffentlichen Einrichtungen kein Existenzrecht. Die sollen in Zukunft bitte da bleiben, wo sie hingehören.

Wie geht es jetzt weiter ohne Religionszugehörigkeit? Ich werde ganz sicher nicht direkt zu einer anderen Religion übertreten. Ich bezweifle sowieso, dass es einen passenden Glauben für mich geben würde. Oder wie wäre es mit Pastafarianismus, Dönerismus oder dem Heidentum? Ich müsste wohl meine eigene Religion stiften um etwas passendes zu finden. Glauben kann ich allerdings auch ohne einer Religion anzugehören. In nächster Zeit werde ich jedenfalls nur noch die Dinge glauben, die ich sehe und vor allem an mich selbst. Also so wie ich es die ganze Zeit davor auch schon getan habe.

Gibt es überhaupt einen Gott oder Götter? Spätestens Anfang Dezember des vergangen Jahres ist mir endgültig bewusst geworden, dass Gott definitiv nicht existiert. Wenn es einen Gott geben würde, wären sicher einige Dinge in meinem Leben anders verlaufen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendeine übernatürliche Macht existiert, die unsere Geschicke lenkt. Nicht Gott hat den Menschen erschaffen, sondern die Menschen haben Gott erschaffen (erdacht).

„Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet!“

Friedrich Nietzsche (Werk: Die fröhliche Wissenschaft, Aph. 125 – Der tolle Mensch)

Wenn es keinen Gott gibt, gibt es folglich auch weder Himmel, noch Hölle. Ein Paradies gab es auch nie und wie das Leben nach dem Tod verläuft, weiß sowieso niemand. Ich habe da meine ganz eigenen Jenseitsvorstellungen.

Mittlerweile finde ich Religionen veraltet. Dennoch bin ich nicht unglücklich darüber, dass sie entstanden sind. Immerhin ist dadurch auch ein Teil der heutigen Kultur entstanden. Musik, Filme, Bücher und sogar Wörter, die es ohne Religion nicht geben würde. Die Vergangenheit lässt sich eh nicht mehr ändern, aber die Gegenwart. Unter Umständen wäre eine Welt ohne Religionen in Zukunft besser für die Menschheit.

Zu guter Letzt sei noch gesagt: Ich respektiere es, wenn jemand einer Religion angehört und damit glücklich ist. Für mich ist das jedoch nichts. Aber vielleicht hat jemand durch meinen Text und meine Entscheidung aus der Kirche auszutreten gemerkt, dass es eventuell Sinn machen würde ebenfalls auszutreten. Die Entscheidung müsst ihr aber ganz alleine treffen. Ich will hier nämlich niemanden “bekehren”, dafür sind schon die Kirchen zuständig.

Über Kommentare und Meinungen zu diesem Thema würde ich mich sehr freuen.

Kleine Anmerkung: Wie ihr sicher gemerkt habt, habe ich recht viel Musik verlinkt. Zwei Lieder konnte ich leider nicht sinnvoll unterbringen. Deshalb findet ihr sie hier am Ende, als Zugabe sozusagen. Wenn ihr noch gute Lieder aus dem Rock- oder Metalbereich kennt, die sich mit Kritik an der Kirche bzw. Religion beschäftigen, dann schreibt mir das bitte in den Kommentaren.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert